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The scent of Amsterdam

Etwa um fünf erreichen wir langsam aber sicher Amsterdam. An uns vorbei ziehen ziemlich riesige und mächtig eintönige Sozialwohnungsbauten, in Amstel das futuristische Fußballstadion, die Amsterdam Arena. In Zentrumsnähe bekommen wir eine ganze Menge Häuser von der Rückseite zu sehen, also viele kleine Balkons und nette Gärtchen im Hof, bald darauf offenbart sich einem der Blick in den Hafen und zum Schluss ist man – reiseführersprachlich formuliert – im Herzen der Stadt. Jetzt rollt der Zug langsam in die riesige Halle der Centraal Station, wo er an Gleis 10 zum Stehen kommt. Erst mal durchatmen, dann raus.

Und weiter auch nicht. Überall nur Menschen, Restaurants, Geschäfte und über den ganzen Lärm Durchsagen in einer Sprache, die man bestenfalls zur Hälfte versteht. Wir sind von dem Zirkus um uns herum sowohl be- als auch entgeistert.

Wenn so viel Fremdes auf einen eintstürzt, dann hilft nur eins: Dagegenstürzen. Wenn man keine Ahnung hat, wo was ist, dann sucht man zuerst das, was man normalerweise immer und überall irgendwie findet, bzw. finden sollte. Die Tourist Information. Und tatsächlich finden wir sie. An der Seite hinter Gleis eins, neben bereits besagten Gastronomiebetrieben und Geschäften, ragt eine Menschenschlange aus der Wand. Der Eingang. Wir stellen uns an.

Nach fünf Minuten stellen wir das Gepäck neben dem Eingang an die Mauer und ich setze mich freiwilligst daneben. Christian und Patricc dagegen stehen weiter an. Weitere zehn Minuten später kommen die beiden mit Stadtplan und Kampftaktik aus dem Büro.

„Die Frau von der Infotheke meint, der beste Campingplatz für Menschen wie uns sei der Gaasperplas.“

Der ist, wenn man dieser Dame Glauben schenken darf, metrogerecht gelegen. Um diese Gerechtigkeit wiederum in vollem Zuge auskosten zu können, sollte man tunlichst auf die Nummer 53 in Richtung Gaasperplas aufspringen. Durch das Bahnhofsgebäude folgen wir den Ausschilderungen, die selbst für Metroanfänger ohne Kenntnisse der hiesigen Sprache leicht zu erkennen sein dürften. Ein dickes M wie „Metro“ hängt allerorten von der Decke. Bemerkenswert: Bereits hier wabern uns erste exotische Duftwölkchen entgegen. Wir erreichen die Rolltreppen zu den U-Bahnsteigen. Dort steht ein blaues Männchen und kontrolliert penibel Fahrkarten. Bevor wir uns ins Vergnügen stürzen wollen auch wir uns am Automaten Fahrkarten kaufen, allerdings haben wir nur Gulden in Scheinen. Kein Problem, dann tauschen wir eben.

Doch ein Problem! Fast eine halbe Stunde später haben wir tatsächlich Kleingeld. Egal, jetzt wird alles besser. Der Automat spuckt ohne zu zicken drei bunte Tickets aus, die wir dem blauen Kontrollmännchen an der Rolltreppe zeigen wollen. Jenes scheint uns zugesehen zu haben, denn es ist nicht mehr da. Stichwort: Flucht. Nach etwa zehn Minuten kommt die Metro Nr. 53. Sieht heiß aus, wie ein überdimensionaler, zerkratzter, alter Toaster. Das heißt: Wie mehrere aneinander gekoppelte, alte Toaster. Wir nennen dies' Ungetüm schlussfolgernd Gruppentoaster und steigen ein.

Der Gaasperplas, bzw. der benachbarte Gaasperpark vor den Toren der Stadt ist also unser Ziel. Es handelt sich dabei um ein Naherholungsgebiet, das auf dem Stadtplan recht riesig aussieht. Neben dem Campingplatz und ordentlich Grünzeug passt sogar noch ein See mit rein. Erst mal allerdings Sozialwohnungsbauten, die einen triftigen Grund für das Naherholungsgebiet abgeben. Wie kaum anders zu erwarten erreichen wir dann nach einer knappen halben Stunde Toaster fahren die Endhaltestelle, da wir vorher nirgendwo ausgestiegen sind. Wir verlassen den von schier unglaublicher Hässlichkeit geplagten Komplex und machen uns auf die Suche nach dem Campingplatz, oder nennen wir ihn in diesem Fall lieber „Nachtabstellplatz für Reisekiffer“.

Auch vor der Tür ist der erste Eindruck der, dass wir in einer Betonwüste gelandet sind. Oder, dem Geruch nach zu urteilen, in einem überdimensionalen Dixiklo. Welcome to Dixiland. Doch schon nach ein paar Schritten in die richtige Richtung macht sich der Gaasperpark bemerkbar. Grüne Wiese und Sauerstoff. Wir gehen auf dem richtigen Weg weiter, gelangen an die richtige Abzweigung, treffen aber die falsche Wahl und drehen eine Ehrenrunde um den Campingplatz.

Zurück am Haupteingang durchschreiten wir ein Portal, welches die Schwierigkeit des Unterfangens vermuten lässt, den Platz zu verlassen ohne zu bezahlen. Nachdem wir dann mitgeteilt bekommen haben, dass wir hier auch unser deutsches Restgeld tauschen können (Toll!) und dass das Duschen einen Gulden für wassersparende fünf Minuten kostet (Toll!), suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen und schlagen unser Zelt auf.

Bezüglich unserer Platzwahl ahnungslos, sollen wir kurze Zeit später die Bekanntschaft mit einer perfekt von Aldi ausgerüsteten Kampflabertasche aus deutschen Landen erfahren. Man beachte seine einzigwahre Isomatte!

„Ja, dat gibt ja so Spezis, die da nur bei so Sonderlädchen einkaufen, ne, aber dat kannste auch alles günstiger hamm. Hier, die Isomatte – absolut okee vonne Qualität, kriechste auch bei Aldi oder weißichwo. Genau wie et Zelt. Völlich solide verarbeitet, da finnste nix dran. Dat is wirchlich en Dingen, hier!“
„Jou!“
„Jou, wirchlich en Dingen!“

Vor sich hin murmelnd verschwindet dieser Rheinländer-oder-was in seinem Zelt, pardon, innem Dingen. Bis auf weiteres. Jungejunge, sowas härtet ab. Wir beginnen ungeachtet seiner weiteren Attacken, uns campingartig zu betätigen, indem wir unseren texanischen Dosen-Feuerzauber entfachen. Wurde auch höchste Zeit. Schließlich macht sich der werte Herr Nachbar auf, um das Amsterdamer Nachtleben zu erkunden, bzw. erlabern.

„Schön' Abend noch, Jungs!“
„Ja, hahaha, jaja...“

... jetzt bestimmt! Die Sommerabend-Atmosphäre gefällt immer besser. Die hohen Bäume rund um den Platz werden von der Untergehenden Sonne angestrahlt und ein laues Lüftchen weht aus dem Gaasperpark karibische Klänge über den Platz. Wir haben es geschafft, der erste Abend dieser hoffentlich langen Reise. Da wird einem ja richtig feierlich zumute.

Deswegen, und um auf unsere neue Freiheit anzustoßen, holen wir uns nach dem Essen aus dem praktischen Campingplatz-Supermarkt etwas zum anstoßen und schleichen uns davon. Wir hatten auf einer Gaasperpark-Karte entdeckt, dass sich der dazugehörige See ganz in Platznähe befindet. Außer uns schleichen auch noch eine ganze Menge anderer düsterer Gestalten umher. Buh, ein Hauch von Central Park. Als wir am Seeufer ankommen – an einer sehr abgelegenen Stelle – verstummt selbst die andauernde Musik. Es ist fast ganz dunkel, die letzte Laterne liegt gut und gerne fünfzig Schritte nach Norden.

Hier sitzen wir nun, drei zufriedene Cowboys mit Gitarre, halber Bongo (also Go) und einer Flasche Sidre. Der See ist wirklich recht groß. Ein paar Meter weiter ragt ein alter Holzsteg hinein, kleine Wellen glucksen gegen das Holz. Auf der anderen Seite des Sees sieht man Lichter aus kleinen Häusern aufleuchten und wieder verschwinden. Ich denke gerade, dieses Umunsherum sollte uns zu einem Song inspirieren, aber...

Drei zufriedene Cowboys frieren am See und sind doch müder, als sie zu sein glaubten.

to be continued...

12.11.07 20:11





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